Workshops

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Ab sofort kann man sich für die Workshops anmelden.

Für alle Workshops gilt folgende Leveleinteilung:

Level A Ich spiele seit mindestens vier Jahren Improtheater, trete regelmäßig auf und probe regelmäßig mit einer festen Gruppe.

Level B Ich spiele seit mindestens sechs Jahren Improtheater, trete regelmäßig auf und probe regelmäßig mit einer festen Gruppe.

Workshop 1

Faster than your brain!

Nathalie Van Renterghem

Unterrichtssprache: englisch

ab Level A

Kennst du das Gefühl, wenn ein Freund dich besucht und du an seinem Blick erkennst, dass du etwas falsch gemacht hast? Oder wenn du nach einem Bewerbungsgespräch auf eine Rückmeldung wartest und endlich der ersehnte Anruf kommt? Unabhängig vom Resultat wird deine erste Reaktion eine körperliche sein: Vielleicht beginnst du im Raum hin- und herzulaufen. Oder du ballst deine Fäuste. Oder du springst auf und ab. Wie auch immer: Dein Körper wird schneller reagieren als dein Geist. Bei der Improvisation reagieren wir allerdings häufig nur mit Worten auf die Angebote unseres Partners. Wir verarbeiten die Informationen intellektuell und vergessen dabei, dass auch unsere Körper Erinnerungen speichern. Erinnerungen, die eine impulsivere und adäquatere Antwort auf jedes Angebot bieten.
In diesem Workshop werden wir uns mit der folgenden Frage befassen: Wie kann unser Körper die Angebote unseres Gegenübers wirklich absorbieren und von hier aus reagieren? Antworten darauf werden wir durch Tanz und Bewegungsimprovisation erhalten, durch die wir Impuls und Reaktion besser verstehen lernen. Durch Improvisation in großen Gruppen werden wir ein besseres Verständnis von Führen und Folgen erhalten sowie dafür, die Balance zwischen beidem zu finden. Für diese Übungen ist keine spezifische Tanzerfahrung nötig – es geht um den Spaß am Entdecken!

Nathalie van Renterghem ist Mitbegründerin von „Inspinazie Tout-Court“ in Leuven (Belgien) und tritt seit 20 Jahren mit diese Ensemble auf. Die Shows beinhalten sowohl Keith Johnstone’s Formate Maestro ImproTM und Gorilla TheatreTM als auch selbst kreierte Langformen. Inspinazie entwickelt außerdem Impro-Shows, die sich mit den Themen Diversität, Wandel, Feedback, Demenz etc. beschäftigen. Nathalie wendet Improvisation in ihrer Arbeit mit Ensembles als auch in den Bereichen Kommunikation, Kreativität und persönliche Entwicklung an.

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Workshop 2 (mit Aufführung am Sonntagabend)

Aus der Mitte des Lebens entspringen unendliche viele Geschichten

Beatrix Brunschko

Unterrichtssprache: deutsch

ab Level A

„Ich hätte gerne einen Beruf“:
„ÄRZTIN“
Ich spiele: MEINE Hausärztin, die immer mit MIR schimpft, weil ich meinen beruflichen Stress nicht reduziere und nie zuhause bleibe, wenn ich krank bin. Sie selbst geht aber auch nie in Krankenstand, auch nicht, wenn sie einen komplizierten Armbruch erlitten hat.
Diese Ärztin, die ich jetzt spiele, ordiniert mit Gipsverband und versucht unter Schmerzen einhändig den Blutdruck eines Patienten zu messen, als …

„Ich hätte gerne eine Emotion“
„Verzweiflung“
Ich spiele: MICH, wie ich nachts verweint, verzweifelt, Selbstgespräche führend durch die Straßen MEINER Nachbarschaft streife. MEINE Katze Bubbels ist seit 5 Tagen und Nächten nicht nach Hause gekommen. Allein der Gedanke, dass ich sie nie mehr wiedersehen könnte, zerreißt mir das Herz.
Die Frau, die ich jetzt spiele, ruft den Namen ihrer Katze und hört ein Geräusch aus dem Kellerfenster eines Hauses. Sie betritt den fremden Garten, in dem das Haus mit dem Kellerfenster steht, als …

Welche Geschichten könnten entstehen, wenn wir öfter unsere alltäglichen Welten und Biografien für die Bühne freigeben würden? Wenn wir bei der Kreation unserer Bühnenfiguren und Bühnenrealitäten öfter auf uns selbst zugreifen würden? Wenn wir unsere Leben in den Dienst unserer fiktiven Spielfiguren stellen würden?  Wenn sich diese fiktiven Figuren aus dem Schatz unserer ganz persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen bedienen, wenn sie ihr kurzes Bühnenleben leben?
Welche Geschichten könnten unsere Bühnenfiguren erleben und erzählen, wenn wir weniger oft ihre klischierten und standardisierten Rollenbilder stereotypisch bedienen sondern sie mit unserem facettenreichen, einzigartigen und einmaligen Lebenserfahrungen und Beobachtungen füllen?
Die Arbeitshypothese für diesen Performance-Workshop ist:
Diese Geschichten sind einzigartiger, individueller und einmaliger als die meisten der so oft gespielten Improstandards, weil sie genau so einzigartig, individuell und einmalig sind wie die SpielerInnen, die sie miteinander im Moment entwickeln.
Das Alter der Spielerinnen, ihr soziales Umfeld, ihr Beruf, ihr Familie, ihre geographische Heimat, ihr Freundeskreis, ihre Nachbarn, ihre Routinen, die großen und kleinen Tragödien, Komödien ihres Lebens, ihre Hochs und ihre Tiefs, kurz:
Der ganz normale Wahnsinn ihres Lebens ist eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration, die in unendlich verschiedenen Geschichtsverläufen einmünden kann.
Was wäre, wenn wir diese Quellen erschließen?
Was wäre, wenn wir sie erforschen würden?
Ja, was wäre dann?
Finden wir´s raus!

Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit werden im Rahmen des Impronale-Programms am Sonntagabend zur Aufführung gebracht. Voraussetzung für Teilnahme an diesem Workshop ist deshalb die Mitwirkung an der Aufführung am Sonntagabend.

Beatrix Brunschko ist seit 1990 Ensemblemitglied des Theater im Bahnhof (TiB) in Graz, wo sie bis heute als Regisseurin und Schauspielerin arbeitet und seit 2000 die künstlerische Leitung des Improvisationstheaters des TiB inne hat. Seit 2002 ist sie Lehrbeauftragte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, Abteilung Schauspiel. Sie unterrichtet schauspielerischen Grundunterricht, Improvisation und Ensemblearbeit sowie Szenenstudium.
Im Studienjahr erhält sie 2012/13 eine Gastprofessur für dramatischen Unterricht. 
Seit 2011 arbeitet sie regelmäßig als Lehrbeauftragte an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der Donauakademie in Krems. Sie leitet zahlreiche Improworkshops in Österreich, Deutschland, der Schweiz sowie in Schweden, Tschechien, Slowenien, Spanien, den Niederlanden, in Canada und in den USA und ist regelmäßig Gast bei Improfestivals weltweit. 2004 wird sie Ensemblemitglied des internationalen Improkollektivs „The Orcas Island Project“ unter der Leitung von Randy Dixon, Unexpected Productions/Seattle und 2009 Mitglied des Sport vor Ort – Teams des Theaters an der Gumpendorferstraße in Wien. Sie ist regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen, zuletzt in „Das finstere Tal“ von Andreas Prochaska. Sie führte Co-Regie bei der wöchentlichen TV-Talkshow „Demokratie – die Show“ und war eine der 5 RegisseurInnen des von der EU-geförderten internationalen Improfilmprojektes „Should I stay or should I go“. Zur Zeit ist sie in „Geidorf´s 11“ am Schauspielhaus Graz zu sehen und bereitet eine neue Staffel der „Serien Junkies“ vor – einer improvisierte 6-teilige Fernsehserie über die dunklen Seite von Graz.

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Workshop 3

Ta(l)king Your Head off!

Sten Rudstrom

Unterrichtssprache: englisch

Level B

Die Verschwörung der linken Gehirnhälfte auflösen – die explosive, farbenprächtige Absurdität der experimentellen Rede betreten: Sobald du entdeckt hast, dass Sprache eine bis in die Eingeweide reichende Erfahrung ist, dass Worte nicht nur mentale Konstrukte, sondern körperliche Erlebnisse sind, werden deine Improvisationen angekurbelt. Du wirst nicht länger davon gebremst, wovon du denkst, dass du es sagen sollst, oder glaubst, dass es gesagt werden sollte. Du wirst von deinem Erlebnis geführt. Jedes Wort, jeder Vokal und Konsonant auf der Zunge, im Mund, an den Zähnen, in der Luft leitet die Improvisation. Die Bewusstmachung der Empfindungen ist die treibende Kraft für die Sprache, nicht das Denken. Gedanken und Vorstellungen sind Assistenten auf dem Pfad der Sprache, nicht die Regisseure.
Themen, an denen u.a. gearbeitet wird:
– Verbinden von Körper und Sprache
– Assoziationen zulassen, um sonderbare, spannende Details zu gewinnen
– Pausen einlegen, damit Vorstellungen statt Verbindlichkeiten den Platz füllen können
– dem Verkehr an den Kreuzwegen von Alliteration, Binnenreim und Stimmung zuhören
– „Ich weiß nicht“ in vibrierende, endlose Bilder umwandeln
– Rhythmus als Katalysator für die Textproduktion nutzen
– mit weniger zufrieden sein
– mittels Heran- und Wegzoomen eines Bildes die Geschichte anreichern
– Unklares durch die Gegenwart des Körpers verständlich machen

„Ta(l)king Your Head Off!“ richtet sich an: TänzerInnen, die ihren Text im Körper fühlen wollen, SchauspielerInnen, die ihren Körper im Text fühlen wollen, jene, die Freude am Gebrauch der Sprache haben, genauso wie jene, die hoffen, diese Freude zu finden.

Sten Rudstrom arbeitet seit 30 Jahren im Feld der Improvisation. Er lehrt und performt international, gründete die Impro-Gruppe „EAT“ und ist außerdem Mitglied von „Streugut“. 1986 traf er Ruth Zaporah, Gründerin von Action Theater™ und ist einer der wenigen zertifizierten Lehrer dieser Improvisationsmethode, die er bis heute anwendet. Seine Workshops sind inspirierend, spannend und herausfordernd.

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Workshop 4

Heiße Eisen!

Verena Lohner

ab Level A

Unterrichtssprache: deutsch

Von Umgang mit und der Gestaltung von schwierigen Themen und das Satirepotential auf der Improvisationstheater-Bühne.

MeToo, Klimawandel, AfD: Als aktive Improvisateur*innen geraten wir bei kritischen Themen immer wieder unter Druck. Ob es eine heikle Vorgabe aus dem Publikum oder eine unbequeme Entwicklung der Geschichte auf der Bühne ist: Unsere Skrupel und inneren Zensor*innen lassen uns schwitzen oder erstarren und wir gehen vorsichtshalber den Weg ohne Stolperfallen. Denn wir fühlen uns unsicher: Wie bringe ich etwas auf die Bühne, was mich persönlich ratlos, traurig oder wütend macht? Etwas, womit ich möglicherweise jemandem im Publikum vor den Kopf stoßen könnte? Etwas, wofür ich keine Lösung, sondern nur Fragen und vielleicht eine Meinung habe? Das Zögern ist verständlich und verhindert tatsächlich eine Menge Schaden aller Art – aber auch eine ganze Menge guter Chancen, das Improvisationstheater in seiner ganzen theatralen und gesellschaftlichen Tragweite zu leben: Spontan am Puls der Menschen und der Zeit das auf die Bühne zu bringen, was uns beschäftigt. Und damit vielleicht etwas in Bewegung zu bringen.

In „Heiße Eisen“ beschäftigen wir uns mit Fragen, neuen und traditionellen Werkzeugen und Möglichkeiten, wie wir schöpferisch mit schwierigen Themen im Improvisationstheater umgehen:
– Haltung und Form, Herz und Hirn: Balance zwischen Intellekt und Impuls. Technik ermöglicht den Tanz auf dem Vulkan.
– Rahmen, Timing und Entscheidung: Organisation in der Improvisation.
– Verantwortung und Reflektion: Sicherheit des Publikums und der Akteur*innen.

Der Workshop „Heiße Eisen“ adaptiert vor allem Methoden des Buffon -, Neo-Buffon und Clowntheaters gezielt für die Improvisation. Er ist auch inspiriert von Vorbildern wie Augusto Boal, Bertold Brecht, Christof Schlingensief, Marina Abramovic, Elfriede Jelinek, Pussy Riot etc. , gründet dabei auch auf Ideen und Erfahrungen des Formats „Dilemma MaLachen“, von Lüchtrath, Lohner und Kalbertodt, das 2017 bei der Impronale in Halle mit dem Jurypreis für Innovation und gesellschaftliche Relevanz ausgezeichnet wurde.

Verena Lohner ist Schauspielerin, Trainerin, Konzepterin und künstlerische Leitung am Theater Steife Brise in Hamburg. In Sachen, Forschung, Entwicklung und Abenteuer ist sie weltweit in Theatern, Unternehmen, Organisationen und auf Festivals unterwegs – mit eigenen Formaten, Workshops, Seminaren und als Akteurin. 
Um in die Gesellschaft einzubringen was sie als Künstlerin geben kann, ist sie international aktiv in Mikroprojekten, wie z.B. „Beyond Text – arts based research“, „Lebens – und Arbeitswelten mit Zukunft“ und ist Lektorin für Kreativität im Studiengang Nachhaltigkeitswissenschaften an der Leuphana Universität, Lüneburg.
Um Stücke voll pulsierendem Leben, vielschichtiger Emotion und spielerischer Vielfalt und Kraft zu gestalten, arbeitet sie leidenschaftlich mit klassischen und zeitgenössischen Theatermitteln, Improvisation, Musik, Film, Geschichte und Kunst.
Europäische Körperarbeit und kanadische Clown-Philosophie sind dabei ebenso lebendig wie japanische Erzählkunst. 
Action – mit Kopf und Körper im Einklang – lebt sie sowohl im Theater, als auch privat u.a. beim Bergsteigen oder im Boxring.

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Workshop 5

Saboteure

Antonio Vulpio

Level B

Unterrichtssprache: englisch

Die Fähigkeit zu improvisieren erlaubt es uns, angemessen auf Ereignisse zu reagieren, die uns begegnen. Wir improvisieren  mit dem, was die Welt uns anbietet, nicht andersherum. Wenn wir das erste Mal improvisieren, sind wir von dem wunderbaren Zauber erfüllt, den wir auf der Bühne schaffen können. Ich finde es erstaunlich, dass wir weniger in der Improvisation präsent sind, sobald wir es uns in den vielen „Regeln“ bequem gemacht haben und damit beschäftigen, diese Regeln zu befolgen. Viel zu oft lassen wir uns von Konzepten, Strukturen und Vorurteilen leiten, die uns nicht stärken, sondern unsere Aufmerksamkeit von dem ablenken, was wirklich zählt: Im Moment zu sein. An diesem Platz, an dem du deinem Partner zuhörst, vor diesem Publikum, in dieser Situation. In diesem Augenblick kontrollieren wir nur eine Sache: uns selbst. Nicht unseren Partner, noch unsere Fähigkeit, Regeln zu folgen. Stattdessen könnten wir zulassen, dass unser Partner uns überrascht und herausfordert.
In diesem Workshop werden wir unsere Sichtweise auf die üblichen „Fehler“ der Improvisation  ändern. Ziel ist es, sie als Möglichkeiten zu begreifen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Wir müssen nur  erkennen, dass wir verbunden sind und uns nichts stoppen kann. Nicht einmal destruktive Angebote des Gegenübers. Wir wollen überrascht werden, wir wollen provoziert werden, und wir wollen von der Freude des Unerwarteten fortgetragen werden.

Antonio Vulpio Schauspieler und Regisseur mit Ausbildung in Theater und Improvisation. Lehrer und Ausbilder im sozialen Bereich und in Unternehmen. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Vulpio mit Ensembles in der italienischen sowie internationalen Szene innerhalb verschiedener künstlerischer Kollaborationen. 2007 schuf er zusammen mit Schauspielern verschiedener Nationen das Ensemble „Orcas Island Project“, das von Randy Dixon geleitet wird, mit dem er nach wie vor Untersuchungen und Experimente im Feld der Improvisation unternimmt. 2008 gründete Vulpio gemeinsam mit Luca Gnerucci und Antonio Contartese das Teatro a Molla in Bologna.

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