Die Impronale begeht ihr neunzehntes Jahr. Das Festival ist also erwachsen geworden und erprobt nun auch mal neue (Ab-)Wege. Deshalb wird in diesem Jahr einiges anders sein. Neben zwei Aufführungen in zwei weiteren Städten Sachsen-Anhalts und einer externen Laborkünstler*innengruppe wird es mehr Zeit und Raum für Feedback und Austausch zu den Aufführungen in Halle geben. Deshalb verteilen sich in diesem Jahr die Workshops auf vier Tage, die bereits am Donnerstagmittag (12 Uhr) beginnen und es gibt vier Workshops (statt fünf wie in den Vorjahren). Wir sind gespannt, wie und ob es funktioniert.

Die Workshopzeiten 2022:
Donnerstag, 24.11.          12.00 – 15.00 und 16.00 – 17.30 Uhr
Freitag, 25.11.                 10.00 – 13.00 und 15.00 -17.30 Uhr
Samstag, 26.11.              10.00 – 12.30 und 14.00- 15.30 Uhr
Sonntag, 27.11.               10.00 – 12.00 Uhr Werkschau

Los geht`s: Ab sofort kann man sich für die Workshops anmelden.

Für alle Workshops gilt folgende Leveleinteilung:

Level A Ich spiele seit mindestens vier Jahren Improtheater, trete regelmäßig auf und probe regelmäßig mit einer festen Gruppe.

Level B Ich spiele seit mindestens sechs Jahren Improtheater, trete regelmäßig auf und probe regelmäßig mit einer festen Gruppe.

Die Workshops

Workshop 1

Vom emotionalen Zuhören
Schauspiel-Workshop für Improspieler*innen

Nadine Antler und Hendrik Martz

Unterrichtssprache: deutsch

Level B

Als Improspieler*innen  sind wir trainiert, spontan zu reagieren, gute Geschichten zu erzählen, verspielt zu sein. Wie steht es aber um unsere Glaubwürdigkeit? Wenn uns die Fähigkeiten fehlen, voll und ganz in unseren Rollen aufzugehen und diese mit Vehemenz zu verkörpern, wie stark geht das Publikum dann bei unseren Stories mit?
In diesem Workshop geht es um die Vermittlung von grundlegenden schauspielerischen Fähigkeiten für das improvisierte Theater. Hendrik Martz wird seine Expertise als Schauspieler und Schauspieltrainer in diesen Intensiv-Workshop einbringen und die Grundlagen der Meisner-Technik vermitteln. Ziel dieser ist es, “wahrhaftig unter gegebenen Umständen zu leben”. Das bedeutet, jegliche Art von konstruiertem, antizipiertem Spiel zu vermeiden und sich ganz und gar auf seine Instinkte als Spieler*in zu verlassen. Diese werden mithilfe einer Reihe von Übungen aktiviert, die die Konzentration auf das Gegenüber lenken, das “wahrhaftige Zuhören” fördern und unbedingte Ehrlichkeit ermöglichen. An das Meisner Training schließt sich nahtlos das Improvisationstraining auf der Grundlage des Chicagoer Annoyance Theatres an. Nadine Antler wird das erlernte Schauspielhandwerk in das Improvisationshandwerk einbetten. Mit Hilfe des „Acting from the Inside Out“-Ansatzes überführt sie gemeinsam mit den Teilnehmer*innen des Workshops die Meisner-Improvisationen in starke und glaubhafte Szenenarbeit.
Beide Techniken ermöglichen eine Verstärkung der individuellen Ausdrucksfähigkeit und größere Ehrlichkeit im improvisierten Schauspiel.
Mehr: http://www.nowhere-akademie.de/.

Nadine Antler
spielt seit 1998 improvisiertes Theater. Sie ist Schauspielerin, Moderatorin, Trainerin und liebt es, Konzepte zu entwickeln. Sie war an der Entwicklung zahlreicher Show- und Langformate beteiligt. Sie war Gründerin und künstlerische Leitung der Würzburger Improtheatergruppe „Der Kaktus“ (Würzburg) sowie Mitglied im Ensemble „Steife Brise“ (Hamburg) und arbeitet momentan im Duo „Schwestern in der Überzahl“ (Würzburg Hausen). 
Nadine ist eine passionierte Trainerin für improvisiertes Theater und hat neben Schauspieler*innen wohl auch schon jede andere Berufsgruppe in die Kunst des Improvisierens eingeführt. Nadine ist eine der offiziell empfohlenen Trainer*innen des ITI für Theatersport™. Nadine hat in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, dem Mittleren Osten sowie in Australien gelernt, gespielt und Workshops gegeben.

Hendrik Martz
hat seit seinem neunten Lebensjahr als Schauspieler gearbeitet. Mit 16 Jahren spielte er in einer der größten deutschen Fernsehserien der 80er Jahre und ist seitdem seit nun über 30 Jahren in Serien, Filmen für Kino und Fernsehen aktiv. Von 1989 bis 1991 wurde er von Sanford Meisner selbst im Schauspiel unterrichtet, dessen Schule er in New York besuchte, von der er später sagte, dass sie „sein Leben gerettet hätte“ – nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Mensch. Neben der Schauspielerei ist er als ausgebildeter Transaktionscoach tätig. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

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Workshop 2

Sei kein Held

Yann Barriet

Unterrichtssprache: englisch

ab Level A

Versuche, diesen einzigartigen Moment der Begegnung zwischen Schauspieler*innen und Publikum zum Leben zu erwecken, anstatt die hundertste Kopie des neuesten Pixar-Films oder die tausendste romantische Komödie zu spielen. Erlebe, dass Emotionen und Haltungen der Schauspielerin/ des Schauspielers für eine Figur wichtiger sind als ein Kostüm. Entdecke, wie schön und aufwühlend es ist, der Mitspielerin/dem Mitspieler in die Augen zu sehen. Strebe danach, jede Aufführung einzigartig zu machen. Zeige die Stärke und Überlegenheit des Schauspiels im Vergleich zum Kino: Schauspieler*innen können das Publikum berühren (physisch und emotional) und umgekehrt.

Thematische Schwerpunkte des Workshops sind:

  • Sei bei dir selbst, baue Beziehungen zu anderen auf; folge deinen Impulsen und deiner eigenen Logik.
  • Versuche nicht, auf alles Antworten zu haben, die du sowieso nicht hast.
  • Der Bauch, unser zweites Gehirn.
  • Linke Gehirnhälfte vs rechte Gehirnhälfte
  • Sei ein kleines Boot und nicht die Titanic.
  • der Kuleshov-Effekt im Schauspiel

Foto: 

Yann Barriet
2000 startete Yann Berriet in das Abenteuer Improvisation. Seitdem hat er immer wieder neue Inspirationen und Techniken in unterschiedlichen Ausbildungen und Gruppen gesammelt, kennengelernt und spezifiziert. Angefangen von der Cours Florent (private Schauspielschule in Paris unter der Leitung von Régine Menauge-Cendre) bis zur Internationalen Schule Jacques Lecoq (unter der Leitung von Jos Houben und Christophe Marchand) traten Querverbindungen zutage und Yanns Blickfeld erweiterte sich. Seine Schauspielkarriere begann Yann Berriet 2003 in Spanien mit der Improvisationsgruppe Teatro Instantaneo. Zurück in Frankreich schloss er sich dem Ensemble Crache-Texte an, dessen künstlerische Leitung er einige Jahre später übernahm. Seine künstlerischen Arbeiten sind beeinflusst von seinen professionellen Tätigkeiten im klassischen Theater und in der Clownerie.

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Workshop 3

The Good, the Bad and the Ugly

Beatrix Brunschko

Unterrichtssprache: deutsch

Level B

Zitat Max Reinhardt in seiner „Rede an den Schauspieler“

Ich setz jetzt einfach einmal fort mit meinem Workshoptext für Improschauspieler*innen: Um jene oft unverbindliche, klischierte Schauspielerei ohne Ecken und Kanten, von der die Improbühnen weltweit voll sind, zu überwinden, werden wir in uns gehen und Bühnenfiguren erforschen und zum Leben erwecken, die in vollen Zügen ausleben dürfen, was in ihnen vorgeht. Nichts Menschliches wird ihnen fremd sein. Wir werden ihnen die Freiheit geben, sagen, tun und erleben zu dürfen, was sie wollen und müssen. Wir werden einfach unsere gute Erziehung und gesellschaftlichen Normen vergessen. Wir werden uns hinter unsere Figuren stellen, um ihrem Bühnenleben nicht in die Quere zu kommen. Wir werden unsere multiple Schauspieler*innenpersönlichkeiten besser kennenlernen. Wir werden die Personalunion von Privatperson, Schauspieler*in und Rolle analysieren und wir werden auf jeder dieser Ebenen versuchen, das Beste aus uns herauszuholen. Die Kollaborationsfähigkeit der Improspieler*in, das radikale Commitment der Bühnenfigur und ihre schicksalhafte Verbindung mit ihrem Bühnenleben und schlussendlich die Persönlichkeit der Privatperson, die jede Performance auf der Bühne individuell und einzigartig macht.
Wir werden einfach anders sein, als wir uns gewohnt sind, sowohl im Leben als auch auf der Bühne. Good, bad and ugly – wir werden sie nutzen, die helle und dunkle Seite der Macht unserer Bühnenkunst.
Zum Abschluss lasse ich noch einmal Herrn Reinhardt zu Wort kommen: „Theater, idealstes Theater und Schauspielkunst ist das klare, immer gegenwärtige Bewusstsein, dass alles nur ein Spiel ist, ein Spiel, das mit heiligem Ernst geführt wird und das Zuschauer fordert, andächtig mitzuspielen. (Zum Nachlesen und Nachhören: https://www.oepb.at/allerlei/max-reinhardt-rede-ueber-den-schauspieler.html)


Foto: Jan Frankl

Beatrix Brunschko ist seit 1990 Ensemblemitglied des Theater im Bahnhof (TiB) in Graz, wo sie bis heute als Regisseurin und Schauspielerin arbeitet und seit 2000 die künstlerische Leitung desImprovisationstheaters des TiB inne hat. Im Studienjahr 2021/22 ist sie Gastprofessorin für Schauspiel und Improvisation an derHochschule für Musik und Theater in Hamburg. Sie ist regelmäßig Gast auf den vielen Improfestivals weltweit. Sie arbeitet im europäischen Ensemble „Our Lives“ und seit 2019 mit „Mary Shelleys Mothers“ und „Den Schwestern“ – zwei international agierenden feministischen Improkollektiven. 2021 entwickelte sie zusammen mit ihrem Partner Jacob Banigan die improvisierte Online Serie „Die Serienjunkies – Unheimlich“, die bald wieder in den analogen Raum mit einer neuen Staffel zurückkehren wird.

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Workshop 4

Close to you – Intimacy in improvisation.

Rama Nicholas

Level B

Unterrichtssprache: englisch

In diesem Workshop geht es darum, sichere, einvernehmliche romantische und intime Improvisationsszenen auf der Bühne zu kreieren.
Die Themen des Workshops sind Liebe und Intimität in romantischen Beziehungen und die Nutzung von Techniken für unsere Aufführungen: ohne zu kneifen, Grenzen zu überschreiten oder die Spielpartnerin bzw. den Spielpartner in Angst und Schrecken versetzen! Wie können wir unserem Publikum eine wirklich romantische Liebesszene und Geschichte schenken? Egal, ob sie lustig oder ernst ist? Wie elektrisieren wir unser Publikum mit der erotischen Ausstrahlung unserer Darsteller*innen, ohne zu deutlich zu sein? Wie können wir ihre Herzen ein wenig brechen? Wie können wir intensive und elektrisierende Szenen kreieren? Warum hören wir in unseren Szenen nie ehrliche Gespräche über Sex? Wir sehen das ständig im Film, im Theater und in der Musik, warum nicht auch in der Improvisation? Dieser Workshop beschäftigt sich mit all diesen Fragen und mehr.
Ich schaffe eine entspannte und sichere Atmosphäre, in der die Darsteller*innen unter sicher begleiteter Szenenarbeit spezielle Übungen erforschen und ausprobieren können.

Rama Nicholas zu ihrem Workshop


Foto: 

Rama Nicholas ist eine preisgekrönte Schauspielerin, Komödiantin und Improvisatorin. Sie ist außerdem Regisseurin, Autorin, Filmemacherin, Theatermacherin, international renommierte Improvisationslehrerin und Ausbilderin. Sie ist seit mehr als 25 Jahren im Theaterbereich tätig. Ihre Philosophie als Künstlerin ist es, immer neugierig und kreativ zu sein: wenn es um das Geschichtenerzählen geht, das Publikum emotional zu fesseln und zu inspirieren sowie ihre Schauspielkolleg*innen zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

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